Design in Wien

Tradition und Innovation zum Erleben


Impression der Stadt Wien Wien ist seit langem Design-Stadt, spätestens seit 1900 ist der Übergang von der imperialen Vergangenheit zur klassischen Moderne vollzogen und Wien ein Schmelztiegel für Kreative. Damals wie heute zeigt sich Design in zahlreichen Geschäften, Hotels und Institutionen und lässt sich an vielen Orten der Stadt erleben und bestaunen.


Design-Geschichte in Wien

Aufbauend auf der künstlerischen Tradition Wiens als prunkvolle Residenzstadt der Habsburger und Hauptstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie entwickelte der Architekt Otto Wagner einen neuen Stil und setzt damit noch immer sichtbare Akzente im Stadtbild. Als prägender Architekt der Jugendstilepoche beim Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert entwarf er unter anderem die Stadtbahn samt Stationsgebäude, Geländer, Leuchten und Aufschriften. Am Gürtel wurde die Stadtbahn über weite Strecken als Hochbahn auf eleganten Bögen geführt. Heute fährt auf dieser Trasse die U6, in den Bögen haben sich viele Lokale der kreativen jungen Wiener Musikszene angesiedelt, beispielsweise Chelsea, rhiz und B72.

Mit innovativen Materialen – Stahlbeton und Aluminium – arbeitete Otto Wagner beim Gebäude der Postsparkasse. Hier gelang ihm eine besonders spannende Verbindung von Funktion und Ästhetik: Die Marmorverkleidung wurde mit Nägeln befestigt, was den Eindruck eines Schmuckornaments entstehen lässt. Interessant ist bei der Postsparkasse auch die Inneneinrichtung, für die Wagner etwa Holzstühle mit Aluminiumbeschlägen entwarf. Das Gebäude wurde – typisch für den Jugendstil – ein Gesamtkunstwerk. Historisch steht der Jugendstil zwischen der Biedermeier-Epoche, die ab 1820 in Wien einen ersten Höhepunkt der schlichten Eleganz im Möbeldesign brachte – berühmt wurden etwa die Bugholzmöbel der Firma Thonet – und der Moderne mit ihrer streng funktionalistischen Formensprache.

Josef Hoffmann, einer von Otto Wagners Schülern, gründete gemeinsam mit Kolo Moser im Jahr 1903 die Wiener Werkstätte, die den Begriff des Kunstgewerbes neu definierte. In höchster Qualität und mit niedrigen Stückzahlen wurden in Zusammenarbeit mit den namhaftesten Künstlern der Zeit wie Gustav Klimt, Egon Schiele oder Oskar Kokoschka Alltagsgegenstände, Schmuck und Möbel hergestellt. Außenstellen in New York, Berlin und Zürich bildeten sichtbare Zeichen des internationalen Erfolgs. Auch hier spielte das Gesamtkunstwerk die übergeordnete Rolle: Beim Palais Stoclet in Brüssel und dem Sanatorium in Purkersdorf bei Wien, zwei von Josef Hoffmann entworfenen Gebäuden, wurde die gesamte Einrichtung von der Wiener Werkstätte entworfen. Trotz dieser Erfolge geriet das Unternehmen im Zuge der Weltwirtschaftskrise in Schwierigkeiten und musste 1932 seine Produktion einstellen. Heute gelten die Erzeugnisse der Wiener Werkstätte längst als Klassiker der Designgeschichte.

In starkem Gegensatz zu Jugendstil und Wiener Werkstätte stand Adolf Loos, der wichtigste Architekt der Wiener Moderne. In seinen Schriften (vor allem: „Ornament und Verbrechen“, „Die Potemkinsche Stadt“) geißelte er, mit spürbarer Lust an der Polemik, vor allem die Auffassung vom „Gesamtkunstwerk“, das Kunst und Handwerk verbinden sollte, und die Jugendstilornamentik der Wiener Werkstätte. Loos sah das Kunstwerk streng vom Gebrauchsgegenstand getrennt. Von seinen architektonischen Arbeiten wurde vor allem das Loos-Haus am Michaelerplatz, direkt bei der Hofburg, bekannt. Wegen des Verzichts auf Fassadenschmuck erhielt es bald den Spitznamen „Haus ohne Augenbrauen“. Die „American Bar“ im Kärntner Durchgang in der Innenstadt ist in Wien besser als Loos-Bar bekannt. Hier kann man die Arbeit von Adolf Loos – er gestaltete sowohl das Portal als auch die gesamte Inneneinrichtung – bei einem guten Cocktail ganz aus der Nähe betrachten. Die Praxis wirkt nicht ganz so streng, wie Loos’ theoretische Schriften vermuten lassen.


Zeitgenössisches Design

Anknüpfend an diese große Vergangenheit, damit spielend oder sich bewusst davon distanzierend, haben in den vergangenen Jahren Wiener Designer unverkennbare Formensprachen entwickelt. Wien beweist sich als kreatives Zentrum. Das gilt für Mode und Schmuck genauso wie für Accessoires und Interior Design, für die Gastronomie oder Design Hotels.

Der Modemacher Helmut Lang begann seinen Siegeszug in Wien, eine neue Riege an Designern wie Wendy & Jim oder Lena Hoschek hat bereits übernommen und feiert internationale Erfolge. Und selbst so traditionsreiche Unternehmen wie J.&.L. Lobmeyr erweitern ihre Palette um innovative Designstücke. Lobmeyr gilt in Wien als Synonym für hochwertige, klassische Tischkultur und arbeitet immer wieder mit jungen GestalterInnen zusammen. So ließ man etwa vom Designerinnen-Duo Polka eine Glaskaraffe und eine eigene Trinkglasserie für den Wiener Wein entwerfen. Geschäfte wie la petite boutique, PARK oder Art Point Vienna machen den 7. Bezirk zu einer Gegend, in der designaffine Stadtbummler sicher fündig werden. Hergestellt werden die Produkte nicht selten in angeschlossenen Hinterhofateliers.

Besonders erfolgreich ist Wiens lebendige Modeszene. Diese hat sich in den vergangenen Jahren international stark entwickelt, und so kommt es schon einmal vor, dass Wien im offiziellen Kalender der Pariser Modeschauen durch mehr Designer vertreten ist als Deutschland. Auf der Pariser Fashion Week gehört das Wiener Label Wendy & Jim zu den Fixpunkten des Catwalks, viele ihrer heimischen Kollegen begleiten sie. Ein großer Teil der Modedesigner kann dies mit Unterstützung der Stadt Wien tun, dafür sorgt zum Beispiel Unit F büro für mode als Koordinationsstelle zwischen ModedesignerInnen, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Das Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au gehört mit seinem markanten, dekonstruktivistischen Stil längst zu den internationalen Stars dieser Branche. In Wien haben sie beispielsweise einen der Simmeringer Gasometer vom brachliegenden Industriedenkmal in ein Wohnhaus mit Entertainmenthalle verwandelt. Ihr jüngstes und von der Architekturpresse begeistert rezensiertes Großprojekt ist die 2008 eröffnete BMW-Welt in München.

Auch im Produkt- und Interior Design mischt die österreichische Kreativszene international kräftig mit: EOOS haben nicht nur für Red Bull ein passendes Trinkglas zum Energydrink entworfen, sondern auch das weltweite Store-Konzept für Giorgio Armani Cosmetics entwickelt. Die mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnete Designschmiede Kai Stania entwirft Büromöbel für Bene, Sessel für Wittmann oder Füllfedern für Cerruti.

Die Basis dafür bietet das kreative Klima Wiens. Chris Hire, Gründer der Agentur 2thinknow, reihte in seinem „Global Innovation Review“ 2008 Wien auf den ersten Platz, vor Boston und Paris. In Wien verbinden sich Tradition und Innovation auch im Design auf schönste Weise, das Gestern und das Heute bestimmen den Puls der Stadt. Dafür sorgt eine Vielzahl an Geschäften, Hotels, Lokalen, Events und Institutionen. Die Kunstmesse Viennafair hat sich als wichtige Messe für zeitgenössische Kunst in Mitteleuropa etabliert. Mit dem Schwerpunkt auf Ost- und Südosteuropa, einem Schaufenster für junge Künstler und Künstlerinnen sowie den wichtigsten Galerien Österreichs als Aussteller hat sie ein unverwechselbares Profil entwickelt. Mit mehr als 100 ausstellenden Galerien aus fast 30 Ländern lässt sich der Erfolg der im Mai stattfindenden Messe auch in Zahlen fassen.

Einen echten Design-Schwerpunkt erlebt Wien im Herbst. Im Oktober präsentiert sich mit der Blickfang Österreichs größte Designmesse für Möbel, Mode und Schmuck im Museum für angewandte Kunst, an der jährlich über 140 internationale Aussteller teilnehmen. Ebenfalls im Oktober steht Produkt-, Industrie- und Möbeldesign im Mittelpunkt der Vienna Design Week. Sie findet an den unterschiedlichsten Orten der Stadt statt und bietet eine buntes Spektrum an Ausstellungen, Projekten, Vorträgen und Diskussionen für Design-Interessierte.


Quelle: WienTourismus



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