Sport und Wohlfühlen in Wien

Donaumetropole mit sehr hoher Lebensqualität


Kunst und Kultur Sicher: Sängerknaben, Stephansdom, Kunst und Kultur sind wichtig, um Wien zu genießen. Aber dafür, dass die Donaumetropole eine der Städte mit der weltweit höchsten Lebensqualität ist, sorgen eigentlich andere Dinge.

Manche Eigenschaften lassen sich numerisch erfassen: Steuern, Mieten, Betriebsgrößen, Einwohner- und Infrastrukturdaten – Standortfaktoren für die Wirtschaft. Doch Wohlfühlen lässt sich nicht einfach objektiv in Zahlen messen wie die Bequemlichkeit eines Sofas oder die Flauschigkeit eines Bademantels: Weich steht für angenehm. Aber wie misst man das? Schwer bis gar nicht. Man spürt es. Und kann – natürlich – vergleichen: Wiens weicher Wohlfühlfaktor ist durch Studien belegt.

In einem jährlich erstellten Ranking der Lebensqualität der großen Städte des Planeten (Quality of Life Survey/Mercer Consulting Group) belegte die Donaumetropole 2009 den ersten Platz in der Lebensqualität-Hitparade, auf Neusprech in den „Wellness-Charts“. Klar, ruft da jeder. Wien, das ist Kaffeehaus, Walzer, Wiener Schnitzel. Wien, das sind Theater, Oper und Museen von Weltrang. Wien, das sind herzige Buben mit Engelsstimmen, weiße Pferde in vollendeter Dressur und feiner Wein beim Heurigen.

Ja schon, sagt der Wiener, sicherlich, nickt die Wienerin, aber das alleine macht eine Stadt noch nicht lebenswert. Wohlfühlwert. Dazu braucht es mehr als Lipizzaner, Sisi-Träume und Sängerknaben. Weil man, um in einer Stadt zu wohnen und zu leben – und seien es nur ein paar Tage als Besucher – Ruhepunkte braucht. Das beginnt bei ganz banalen Dingen, die den Menschen in Wien so selbstverständlich sind, dass sie sie meist gar nicht mehr erwähnen – das Grün, das Wasser und die Sicherheit.

Beginnen wir bei der Sicherheit: Wien ist zwar Großstadt, aber doch so sicher, wie manches Dorf es gern wäre. Alleine in dunkelster Nacht auf der Straße? Es dürfte schwer sein hierzustadt jemanden – ob Mann ob Frau, ob jung ob alt – zu finden, dem dazu das Wort „Angst“ einfiele.


Hochquellwasser und Wienerwald

Was das Wasser und den Grünraum angeht, wären andere Städte gern die Stadt an der Donau: Das Wasser, das in Wien aus der Leitung kommt, hat eine Qualität, die schon so manchen Unternehmer im Rathaus mit der „tollen” Idee hat anklopfen lassen, es in Flaschen gefüllt teuer zu verkaufen. Erfolglos – aber das nur nebenbei. Und auch mit dem Grünanteil Wiens kann in ganz Europa keine Großstadt mithalten: Wälder, Wiesen, Parks, aber auch Gartenanlagen, Sportstätten und Felder machen mit ca. 20.200 Hektar rund die Hälfte der Wiener Stadtfläche aus, die Donau und die anderen Wiener Gewässer gar nicht mitgerechnet.

Aber all das fällt den Wienerinnen und Wienern nur auf, wenn sie nicht zu Hause sind. Weil dann irgendwas fehlt, was das Leben halt doch und gerade in Wien so angenehm macht. Und das nicht nur für Herrn und Frau Wiener.

Um beim Grün zu bleiben: Wien ist eine Waldstadt: Die Westgrenze der Stadt bildet der Wienerwald, eine Hügelkette, deren dichter Waldbestand die Stadt nicht nur mit Sauerstoff, sondern auch mit Wander- und Mountainbikerouten jeglicher Länge und jeden Schwierigkeitsgrades versorgt. Gut beschildert und nach Leistungsstufen geordnet lässt es sich da – beispielsweise – von der Hernalser Schwarzenbergallee auf der so genannten „Hameau“-Strecke über Stock und Stein, durch den Wald und über Hügelketten rund 20 Kilometer aus der Stadt hinaus und wieder zum Ausgangspunkt radeln. (Alle Anfahrtswege sowie Adressen und Telefonnummern der hier aufgeführten Tipps finden Sie im Serviceteil am Ende des Textes.) Natürlich sind auch die Wanderwege gut und übersichtlich ausgeschildert.

Allerdings so übertreiben wie jener Wiener, der die Stadt auf einem dieser Stadtwanderwege schon über 500 Mal zu Fuß umrundet hat, muss man es ja nicht gleich. Es genügt auch ein kleinerer Spaziergang durch die Weingärten auf einen der Hausberge der Stadt, zum Beispiel auf den 382 Meter hoch gelegenen Cobenzl mit seinem romantischen Aussichtslokal, oder auf den 425 Meter hohen Leopoldsberg mit einem wunderschönen Blick über die Stadt.


Sprechende Bäume auf der Himmelwiese

Die Wienerinnen und Wiener haben ihre Lieblingswiesen. Die Himmelwiese zum Beispiel. Die liegt am obersten Zipfel der von Grinzing hier heraufführenden Himmelstraße, wenige Gehminuten vom Cobenzl entfernt. Hier gibt es nicht nur einen traumhaften Rundblick, sondern auch die „sprechenden Bäume“, die im Sommer sogar Musik machen: Im so genannten „Lebensbaumkreis am Himmel“ sind Bäume gepflanzt, denen nach altem Glauben ähnliche Bedeutung wie den Sternzeichen zugesprochen wird. Ihre Geschichte erklingt aus kleinen Lautsprechern, die mittels Lichtschranke durch Vorbeigehende aktiviert werden. Oder es ertönt daraus klassische Musik, aber auch Jazz. Und manchmal gibt es dort sogar Live-Musik-Veranstaltungen. Auf der gleich unterhalb liegenden „Bellevuewiese“ tut sich bei schönem Wetter einiges, hier wird gerne mit der Seele gebaumelt. Und der Ausblick genossen: Denn dass der Name des Ortes Programm ist, erkannte schon einer der berühmtesten Söhne der Stadt: Ein Gedenkstein an der nicht unbedingt einfach zu erreichenden Aussichtswiese besagt, dass Sigmund Freud hier oft und gerne verweilt haben soll.


Wien am Nationalpark

Wer die Natur lieber „pur“ hat, findet genau das am anderen Ende der Stadt: Wien ist die einzige Millionenstadt der Welt, die über einen Nationalpark verfügt. Der „Nationalpark Donau-Auen“ beginnt in Wien und erstreckt sich über 9.300 Hektar als nahezu unberührte, oft sogar tatsächlich urwaldartige Aulandschaft donauabwärts. Der Wiener Teil, ziemlich genau ein Drittel des Nationalparks, heißt „Lobau“ und ist ein Stück erlebbarer Natur – um so etwas zu erreichen, müssen anderswo Menschen stundenlang mit dem Auto fahren. In Wien reicht dazu der öffentliche Nahverkehr. Oder das Boot-Shuttle. Das „Nationalpark-Boot“ fährt nämlich zwischen Anfang Mai und Ende Oktober täglich vom Donaukanal aus der Innenstadt zur Au an der Donau und macht es so möglich, den Nationalpark vom Wasser aus zu erobern. Sanft, versteht sich, als stiller Beobachter eines prachtvollen Naturschauspiels.


Am Strand der Neuen und der Alten Donau

Überhaupt die Donau. Die haben auch die Wienerinnen und Wiener jahrzehntelang einfach „übersehen“: Seit der Strom 1875 reguliert und somit nicht mehr ständig überschwemmungsgefährlich war, lag Wien nicht mehr „an“, sondern „neben“ der Donau. Erst als in den 1970er-Jahren zur Verbesserung des Hochwasserschutzes das so genannte „Entlastungsgerinne“ – ein paralleler Donauarm entlang des ganzen Stadtlaufes des Stromes – errichtet wurde, rückte Wien wieder an die Donau: Die Wiener und Wienerinnen überraschten ihre Politiker und nahmen die 21 Kilometer lange künstliche Insel mitten in der Stadt sofort in Besitz. Heute sind die Ufer der Donauinsel – insgesamt 42 Kilometer Strand – eine Sensation, um die jede Weltstadt (Rio vielleicht ausgenommen) Wien beneidet: Mit der U1 braucht man vom Stephansplatz, der Stadtmitte, exakt sechs Minuten, um zu baden, zu flanieren oder am Abend in einer der Bars am Wasser Strandfeeling zu genießen. Nur eines ärgert Herrn und Frau Wiener an der „Insel“: wenn das Bauwerk seiner eigentlichen Funktion als Schutzbau nachkommen muss und das Baden wegen Hochwassers kurzzeitig verboten wird. Dann hagelt es Beschwerden im Rathaus.


Segeln, radeln und laufen

Auch die Segler und Surfer sind sauer, wenn sie wegen Hochwassers ihrem Hobby nicht frönen können. Denn der Wind, der zwischen den Wiener Hausbergen wie durch eine Düse den Fluss entlang weht, kann durchaus als „anspruchsvoll“ gelten. Das bestätigt auch Wiens „Seebär“, Karl Hofbauer, all jenen, die auf der Alten Donau – einem malerischen, alten Donauarm – bei ihm die Kunst des Segelsetzens lernen. Es gibt aber auch Tret-, Ruder- und Elektroboote. Und auf der leichter zu befahrenden Neuen Donau zusätzlich noch einen Wasserskilift.

Um den Weg von der Innenstadt ans Wasser zu finden, bedarf es aber nicht unbedingt des Bootes oder der U-Bahn: Wien ist eine ausgesprochene Fahrradstadt. Nicht nur das dichte Netz an Radwegen (rund 1.100 Kilometer städtischer Radwege) lässt immer mehr Wienerinnen und Wiener – trotz des hügeligen Terrains – den Drahtesel besteigen. Auch Wienbesucherinnen und -besucher sind so gut unterwegs: ob auf geführten Fahrradtouren zu den Sehenswürdigkeiten, auf einer Rundreise zu den Denkmälern der berühmten Komponisten und Dichter in den malerischen städtischen Parks entlang der Ringstraße (wie dem Stadtpark, dem Volks- oder dem Burggarten (hier sollte man nicht vergessen, sich in dem pittoresken Palmenhaus zu stärken) oder auf eigene Faust mit dem Leihrad: Man ist schneller als zu Fuß und trotzdem hautnah an der Stadt.

Manche Regionen sind überhaupt am besten per Rad zu erleben. Der Prater etwa. Der ist über sechs km² groß und war ursprünglich ein Stück Aulandschaft nahe der Stadt. Die Habsburger benutzten ihn über Jahrhunderte als kaiserliches Jagdgebiet. In seinem vordersten Teil durfte das Waldpersonal Gasthäuser und Lustbarkeiten errichten – der Ursprung des heutigen „Wurstelpraters“ mit dem Riesenrad und seinen Attraktionen, von historischen Ringelspielen über Geisterbahnen bis zu modernen Hochschaubahnen. Dahinter erstrecken sich ausgedehnte Wiesen und Wälder: Allein die „Prater Hauptallee“, die etwa bis zur Mitte dieses alten Auwaldes führt, ist fast fünf Kilometer lang. Neben Radfahrern und Inlineskatern gehört sie – mittlerweile zu praktisch jeder Tages- und Nachtzeit – den Joggern. Schließlich freut sich jede Lunge beim Laufen über Waldluft mehr als über klassische Stadtluft. Wohl deshalb führt der Vienna City Marathon, der Jahr für Jahr im Frühling schon weit über 25.000 Läuferinnen und Läufer auf einen Rundkurs durch die Stadt lockt, auch durch den Prater.

Laufen kann man aber auch anderswo. Rund um die Stadt sind die schönsten Laufstrecken ausgeschildert: Im Lainzer Tiergarten etwa, einem Park am Westrand der Stadt, führt eine der leichteren über 310 Höhenmeter und 13,4 Kilometer durch schattigen Wald zur Hermesvilla. Verlaufen kann man sich selbst als Fremdling nicht, so ausführlich ist die Beschilderung: Das versicherten Läuferinnen und Läufer, die die Wiener Laufrouten auf Herz und Nieren (und Lungen) sofort testeten, als die Schilder aufgehängt waren.

Aber auch in der Stadt kommen Jogger nicht unter die Räder. Bei Sisi etwa. Genau: in Schönbrunn. Leicht möglich, dass die Läufer, die zwischen Gloriette und Kaiserschloss ihre Runden ziehen, auf einer Route unterwegs sind, die schon der Kaiserin als Trainingsstrecke diente. Denn Elisabeth war ihrer Zeit weit voraus – und ihren Zeitgenossen nicht zuletzt auf Grund ihres Fitnessprogramms nicht immer ganz geheuer. Heute würde sie wohl mit Inlineskates unterwegs sein – wenn auch nicht in Schönbrunn, denn dort sind die Wege Kieswege. Stattdessen rollt der meist junge Wiener, die sportliche Wienerin entweder auf der Donauinsel oder – nach dem Vorbild der großen Pariser Nachtskate-Umzüge – am Freitagabend quer durch die Stadt. Nicht immer zur Freude der Autofahrer zwar, aber das ist wahrlich kein Wiener Spezifikum.


Gemma baden

Wien-spezifisch – und hier schon erwähnt – ist dagegen der längste Strand, den eine europäische Binnenstadt aufweisen kann: Mit 42 Kilometer Badestrand an der Neuen Donau haben die Wienerinnen und Wiener allerdings noch lange nicht genug. Sobald die Temperaturen es nur irgendwie zulassen, stürmt man die Bäder. Zum Beispiel die Strandbäder an der Alten Donau mit weitläufigen Parkanlagen, wo man selbst an heißen Sommersonntagen noch ruhige Plätze findet. Oder man flüchtet auf die Hügel rund um die Stadt: Wer im Sommer tagsüber das Krapfenwaldlbad am Kahlenberg besucht, bekommt unweigerlich den Eindruck, dass die jungen und schönen Wiener (und Wienerinnen) wohl lieber die weniger hübschen in der Stadt zu ihren Füßen in Büros und Geschäften schmoren lassen und dass in dieser Stadt kaum gearbeitet wird – sei's drum: Wer die Chance hat, einen heißen Sommertag bei netter Gesellschaft in einem Pool mit Panoramablick über die Stadt zu genießen, kann mit seinem schlechten Gewissen offenbar locker leben.

Das Schönbrunner Bad gilt als eines der schönsten Sommerbäder der Stadt. Es bietet ein 50 Meter Sportbecken, einen Fitness- und Wellnessbereich und einen Beachvolleyballplatz. Außerdem ist das Bad von Ende April bis September täglich geöffnet. Von Anfang Juni bis Mitte August sogar bis 22 Uhr.

Und bei Schlechtwetter? Hallenbäder gibt es überall in der Stadt. Und Spezialbäder – wie das „Kaiserbründl“ etwa. Doch dieses wunderschöne, im Stil eines orientalischen Serails gehaltene Bad steht nur Männern, die Männerbekanntschaften nicht abgeneigt sind, offen. Frauen haben – strikt und ausnahmslos – keinen Zutritt.

Aber auch Frauen und Familien, die sich neben dem Badespaß für historische Bäderarchitektur interessieren, kommen auf ihre Rechnung: Das 1926 gegründete Amalienbad im zehnten Bezirk etwa ist ein wahres Juwel dieser Kunst. Einzig das Glasdach, das sich innerhalb von nur drei Minuten öffnen ließ, um das Hallen- zum Freibad zu machen, überstand den Zweiten Weltkrieg nicht, ansonsten ist der Originalzustand dank aufwändiger Sanierungsarbeiten erhalten geblieben. Modernste Badeunterhaltung gibt es natürlich auch, etwa im Diana-Erlebnisbad: kein Platz für Leistungsschwimmer, aber ein Badespaß, wo Kinder und alle, die gerne mit Wasser spielen, sich austoben können. Mit Wasserrutschen, Strandlandschaften, Wildbachanlagen.


Oberlaa und Heuriger

Im Kurpark Oberlaa am Südrand Wiens sprudelt eine Thermalquelle, die schon die alten Römer zu schätzen wussten. Die heute dort bestehende Therme wird derzeit bei aufrechtem Betrieb umgebaut und gigantisch vergrößert. Bei der für Ende 2010 vorgesehenen Eröffnung wird sie sich als eine in Europa einzigartige Anlage mit verschiedenen Erlebniswelten präsentieren. Familien-, Kinder-, Aktiv- und Relaxbereiche bieten Spaß und Erholung für alle Geschmäcker und Altersgruppen. Die alten Römer mussten sich noch auf warmes Wasser „einfach so“ beschränken, während es ebendort heute neben Unterwassermusik und Dichterlesungen, die über die Unterwasserlautsprecher den Badenden ans Ohr getragen wurden, noch ein vielfältiges Sport- und Wellnessangebot gibt: Der „Wellnesspark Oberlaa“ ist eines der über 150 Wiener Fitnesscenter, die auch in weit zentraleren Lagen dazu einladen, die „Nebenwirkungen“ jenes angenehmen Lebens, für das Wien so berühmt ist, ein wenig zu kaschieren.

Wie die überschüssigen Kilos durch regelmäßigen Genuss von Köstlichkeiten beim Heurigenbuffet: Innerhalb der Wiener Stadtgrenzen wachsen auf 680 Hektar Weinstöcke – meist auf den Hängen der Wiener Hausberge. Dort, wo Wein wächst, wird er auch getrunken. Und weil es der Wiener gerne gemütlich hat, wird beim Trinken auch gegessen. Wenn dann vielleicht die typisch Wienerische Heurigenmusik von den Schrammelmusikern erklingt, fühlen sich Wienerinnen und Wiener – und ihre Gäste – wie im siebenten Himmel. Denn wer lange genug den Schrammeln zuhört, spürt die Weichheit der Stadt auf einmal auch in sich selbst. Im Herzen. Dann ist man wirklich angekommen. In Wien. Einer Stadt zum Wohlfühlen.


Quelle: WienTourismus
Autor: Thomas Rottenberg,/Autor und Redakteur der Tageszeitung „Der Standard“



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